Die Burg Scharfenberg

Am 22.Februar 1306 verkaufte Cordt von Boxen sein gesamtes Gut an Volpert Baecken aus Brilon. Der Hof liegt oberhalb der Glenne im Hessen Kamp, unweit davon liegt direkt an der Glenne die Fuke-Mühle, die ebenfalls zu Gut gehört. Beim Verkauf dieses Gutes wird u.a. erwähnt, dass der Besitz im Osten an das "Hus tom Scarpenberg" grenzt. In der gleichen Urkunde ist auch die Rede von "Scarpenberg bey dem dyeke, dorme ut geyt no breilon". Gemeint ist damit der Teich, der bis in die Zeit der dreißiger Jahre jahrhundertelang die Viehtränke des Dorfes war, immer als "Dränkedeyk" bezeichnet. Er lag im Bereich oberhalb der heutigen Friedhofkapelle. Wenn also 1306 bereits ein solcher Teich angelegt war, kann man davon ausgehen, dass auch eine kleine Siedlung bestand.

Der 22. Februar 1306 ist zwar das Datum der ersten Erwähnung von Scharfenberg, doch muss eine zufällig erhaltene Notiz nicht der Beginn einer Siedlung sein. Scharfenberg wird sicher schon um 1300 bestanden haben, ist also mindestens 700 Jahre alt. Der Beginn ist auf jeden Fall die Errichtung einer Burg der Herren von Padberg, gewissermaßen als "Nebenstelle", mit der Ritter Hermann von Padberg mit einem Adelssitz abgefunden wird. Schon im Landfriedensbündnis des Erzbischofs Heinrich von Köln vom 21.Oktober 1307 wird "Scarpenberg" als Burg bezeichnet, hat also einige Bedeutung. Die dann später ständig wechselnden Adelsfamilien sind ein Kapitel für sich. Der letzte Gutsherr ist Alexander Freiherr von Ledebur bis zum Jahr 1835, als das Gut wegen Überschuldung versteigert wird und nach 530 Jahren die Zeit der Adeligen von Scharfenberg zu Ende ist.

Gravierender Nachteil und auch Unglück der Scharfenberger Burg besteht letztlich darin, dass sie im Grenzbereich der Territorien der Fürstbischöfe von Köln und der Grafen zu Waldeck steht und bei den ständigen Gebietsstreitigkeiten an der Grenz immer wieder zerstört wird. Das ist zum ersten Mal der Fall im Jahre 1360. Ritter Hermann "wird brandts halben siner breve und siegel quitt", die Burg brennt vollständig ab, die Gemarkung zwischen Möhne und Glenne wir schwer verwüstet. Alle Bewohner von Scharfenberg und auch Ritter Hermann begeben sich vorläufig in den Schutz der Stadt Brilon. Die Burg wird in den folgenden Jahren wieder aufgebaut, aber im Jahre 1404 erneut zerstört. Am 16.Oktober 1404 vereinbaren der Erzbischof Friedrich von Köln und der Graf zu Waldeck, dass "dye Scharpenberg bey Brilon" nicht wieder aufgebaut wird.

Doch die Übereinkunft hält nicht lang, die Burg wird wieder aufgebaut. In der Folgezeit wird das gesamte Herzogtum Westfalen von Kriegzügen heimgesucht. In den Jahren 1473 und 1474 bekriegen sich die Briloner mit den Hessen. Als die Hessen unter Landgraf Heinrich III. Brilon nicht einnehmen können, zerstören sie als Ersatz die Burg in Scharfenberg. Offensichtlich wird sie, wie auch in Eversberg, mit Geschützen, die auf dem östlichen Bergrücken gestanden haben müssen, zur Übergabe gezwungen. Anschließend wird dass "Schloss Scharfenberg", wie es im Bericht genannt wird, zerstört und alles Vieh geraubt. Etwas 1493 wird die Burg durch den Gutsbesitzer Henneke von Hanxlede erneut aus Stein und teilweisem Fachwerk aufgebaut, es entstehen ein "offenes Haus" ohne größere Befestigungen. Dazu gibt es in der Nähe einen Pferdestall, weitere Viehställe, eine Scheune sowie ein Brauhaus und ein Backhaus.     

Unterhalb der Burg liegt die Mühle, in früheren Jahrhunderten immer im Besitz der Adeligen. Das Gebäude besteht so bis 1650, dann wird alles nach dem Stillstand im 30-jährigen Krieg noch einmal renoviert und teilweise angebaut. Doch das eigentliche Burggebäude ist in einem solch schlechtem Zustand, dass es nicht mehr bewohnt wird und die Steine für den Bau von Häusern im Dorf abgebrochen werden. Verwalter Vonderbecke bereichtet am 11. Juni 1695 von dem alten "verfallenen Schloss und Ritterhaus Scharfenberg, davon nichts mehr als die Reste und altes Mauerwerk und Platz vorhanden..." Die unterhalb gelegene Mühle mit zwei Teichen ist zu dieser Zeit ebenfalls verfallen. Auch der "scharfe Berg", von den Dorfbewohnern "Rabenknapp" genannt, wird als Steinbruch für Gebäude und den Wegbau genutzt, erhalten bleibt nur der heute noch sichtbare uralte Burggraben. Das eigentliche adelige Haus steht mittlerweile weiter unten.      
1783-1785 wird von Freiherr Joseph von Weichs ein stattliches massives Herrenhaus, das heutige Pastorrat gebaut. Etwa auf dem gleichen Platz stand früher auch das alte, oben erwähnte Gutshaus, über das später in einem Prozess einige alte Scharfenberger, darunter der aus Tirol stammende Maurer Carl Moldaner aus dem Gedächtnis berichten. Es war ein etwa 13 x 28 großes Bauernhaus mit Schindeln und Stroh gedeckt, beiderseits der großen Tenne befanden sich die Viehställe, dazu die Wohn- und Verwaltungsräume, 1780 in einem baufälligen Zustand.         

Mit dem Herrenhaus von 1785 ist die Scharfenberger Burg in "moderner" Form erhalten geblieben. Vor dem Burggraben an historische Stelle ist jetzt ein Gedenkstein errichtet worden zur Erinnerung an die alte Burg, das erste Haus von Scharfenberg vor 700 Jahren. Der Stein stammt aus Boxen, gestaltet von dem Sauerländer Künstler Theo Sprenger aus Madfeld.